Startseite
Aktuell
John Deweys Pädagogik
   Dewey als Pädagoge / Buch
   Dewey, Kilpatrick & Co./Buch
   Deweys Reformimpuls
   Deweys pädagog. Credo
   Deweys Laborschule I
   Deweys Laborschule II
      Laboratory School
      Theory vs. Practice
   Dewey Unterrichtstheorie
   Scheitern der Laborschule
     Dewey as Administrator
   Mayhew/Edwards Dewey-School
   Prinz Heinrich in Chicago
   Dewey + progressive Erziehung
   Dewey + Demokratie
      Education for Democracy
   Dewey + Projektpädagogik
   Dewey + Montessori
   Dewey + Kerschensteiner
   Dewey + social efficiency
   Dewey in Dtl.- Bibliographie
Projektunterricht
   Aus Projekten lernen / Buch
   Handbuchartikel
      Project Method
   Origin of Project Method
   Rezeption der Projektidee
   Kilpatricks Projektmethode
     Kilpatrick's Project Method
   Collings' "Typhusprojekt"
     Faking a Dissertation
   Chronologie USA
   Dokumentation USA
Kurt Hahns Pädagogik
   Lebensdaten
   Reform mit Augenmaß/Buch
   Hahns "Erlebnistherapie"
      Experiential Education
      Thérapie des expériences
      Un internat Allemand
      Thérapie par l'expèrience
   Die vier Elemente
   Hahn-Bibliographie
Progressive Education
   Learning by doing
   Herbart in Amerika
   New Education
Kerschensteiners Pädagogik
  Kerschensteiner-Bibliographie
Odenwaldschule
Gedanken über Erziehung
Wozu ist die Schule da? /Buch
Schloß-Schule Kirchberg /Buch
Jugendlicher Minimalismus
          - - -
Curriculum Vitae
   Veröffentlichungen
   Publications in English
   Publications en français
Sale-Verkauf
Impressum


In: Handbuch Reformpädagogik und Bildungsreform. Hrsg. Heiner Barz. Wiesbaden Springer VS 2017. S. 203-215. Hier ein Auszug:


[...]
Impulse und Neuerungen Dewey hielt sich prinzipiell im Rahmen dessen, was in der Nachfolge von Comenius, Rousseau, Pestalozzi und Fröbel im englischen Sprachraum seit den 1860er Jahren unter der Bezeichnung „new education“ etwa von Herbert Spencer, Charles W. Eliot, Francis W. Parker und G. Stanley Hall propagiert und unter dem Slogan „learning by doing“ zum Teil auch schon in Kindergärten, Schulen und Colleges realisiert worden war. Dennoch sind von Dewey, nicht zuletzt durch die Adaption herbartianischer Positionen, bedeutende innovative Impulse für die amerikanische und internationale Reformpädagogik ausgegangen, die bis heute nachwirken. Dewey ist ein Wegbereiter und Förderer

-        der “Erziehung zur Demokratie”: Dewey befürwortete, wie die heutigen Kommunitaristen, eine Lebensform, in der sich Individualismus und Gemeinschaftssinn die Waage hielten und die freie Entfaltung des Einzelnen genauso zur Geltung kam wie die soziale Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. In der Schule sollten im Grunde nur soziale Einstellungen und wissenschaftliche Verhaltensweisen eingeübt werden. Entgegen der herrschenden Meinung, vertrat Dewey nicht die Ansicht, dass die Selbstbestimmung der Schüler zu maximieren und die Dominanz des Lehrers durch Aufhebung seines Machtmonopols zu minimalisieren war.

-        des „problem-based learning“: Dewey arbeitete das Konzept des Lernens am Problem als ein entscheidendes Element der Curriculumtheorie heraus. Nicht die Probleme der Lehrer oder Lehrplankommissionen, sondern die an der Lebenswirklichkeit der Schüler anknüpfenden Probleme, sollten der Dreh- und Angelpunkt des Unterrichts sein. Die in Deutschland weitverbreitete Ansicht, Dewey sei der eigentliche Vater der von William H. Kilpatrick propagierten Projektmethode, beruht auf einem Missverständnis. Dewey kannte die Projektmethode, aber er verstand sie bloß als ein untergeordnetes, spezifisches Verfahren zum Lösen praktischer Probleme. Die von ihm favorisierte Problemmethode betrachtete er dagegen als ein übergeordnetes, generelles Verfahren, das auch dann zum Einsatz kam, wenn nicht konstruktive Aufgaben, sondern Aufgaben theoretischer, interpretativer, spekulativer Art zu bewältigen waren. Für Dewey war also, anders als bei Kilpatrick, jedes Projekt ein Problem, aber nicht jedes Problem ein Projekt.

-        des „facilitator“-Konzepts: Dewey definierte die Rolle des Lehrers um und neu. Der Lehrer war seines Erachtens weniger ein Kapitän und Steuermann, der den Kurs des Unterrichts bestimmte und stur verfolgte, als vielmehr ein Arrangeur von Problemsituationen, der möglichst im Hintergrund blieb und den Lernprozess erleichterte, indem er die Schüler behutsam, d.h. vorschlagend, unterstützend, helfend, auf ihr zukünftiges Leben vorbereitete. Die heutzutage von sich fortschrittlich verstehenden Lehrern und Pädagogen vertretene Vorstellung, sich ausschließlich als Begleiter, Berater, Moderator zu definieren, weil nur durch äußerste Zurückhaltung das Recht des Schülers auf Selbstbestimmung und Selbstentfaltung zu gewährleisten sei, entspricht nicht der Position von Dewey.

-        des „bargaining“-Konzepts: Dewey bemühte sich um ein entspanntes, freundliches Schul- und Unterrichtsklima. Konkret plädierte er für einen sozial-integrativen Erziehungsstil, wenn er den Lehrer aufforderte, die Schüler für seine Unterrichtsvorhaben zu gewinnen, sinnvolle Verbesserungsvorschläge zu akzeptieren und bei curricularen Konflikten Kompromisse auszuhandeln, um schließlich doch noch ihre herzhafte Teilnahme und Mitarbeit zu erlangen. Heute würden wir von einem Schlichtungs- und Vermittlungskonzept sprechen, das – aus der Wirtschaft und Tarifpolitik kommend und auf Kooperation und Konsens abzielend – zwischen der alten Kommandopädagogik und der modernen anti-autoritären Erziehung zu vermitteln sucht.

-        der „konstruktivistischen“ Pädagogik: Dewey formulierte in relativ kohärenter, den modernen Sozialwissenschaften entnommener Sprache die Postulate, die heute auch in Deutschland zum theoretischen Fundament der sog. „neuen Lernkultur“ gehören: (1.) das Kind ist aktiver Schöpfer seiner selbst und erzeugt aufgrund individuell unterschiedlicher Voraussetzungen und Erfahrungen je eigene Vorstellungen von sich und der Welt; (2.) Wissen kann nicht einfach von außen durch Instruktion vermittelt, sondern muss vom Kind in interaktiven Prozessen mit der physischen und sozialen Umgebung selbst konstruiert werden; (3.) Lernen ist dann am effektivsten, wenn das Kind seinen Lernprozess weitgehend selbst steuern, wenn es die in Frage stehenden Wissensbestände aktiv handelnd erarbeiten und wenn es in attraktiven, authentischen Situationen Erfahrungen machen kann, die lebensbiographisch anschlussfähig sind und neue Wissenshorizonte und Handlungsmöglichkeiten eröffnen.

-       der pädagogischen „Aktionsforschung“: Dewey stand der rein quantitativen Forschung skeptisch gegenüber. Empirische Untersuchungen, die unter kontrollierten Bedingungen und mit vereinfachten Fragestellungen, isolierten Kriterien und statistischen Messverfahren durchgeführt werden, hatten seines Erachtens durchaus ihren Sinn, waren jedoch abstrakt und nutzlos, solange sie nicht gemäß der konkret vorliegenden Problemsituation und unter Berücksichtigung aller Faktoren und Einflussgrößen interpretiert und bewertet würden. Für die Schulforschung empfahl er daher, vornehmlich qualitative Methoden einzusetzen, wie etwa die Beobachtung, die Beschreibung, die Diskussion, den Vergleich. Prädestiniert für diese Aufgabe war nicht der praxisferne Experte, sondern der wissenschaftlich ausgebildete Lehrer, der als Aktionsforscher die Komplexität seiner Arbeit kennt, seine Erfahrungen reflektiert und seine Unterrichtsversuche professionell dokumentiert, auswertet und weiterentwickelt

[...]