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Originalbeitrag. Überarbeitete Fassung von Dewey, Kilpatrick und "progressive" Erziehung. Kritische Studien zur Projektpädagogik. Bad Heilbrunn: Klinkhardt 2011. S. 287-298.


Mehr als jeder andere Pädagoge wird John Dewey, der amerikanische Pragmatist und Gründer der Laborschule in Chicago, mit dem Konzept des »learning by doing« in Verbindung gebracht. Dass der Ausdruck nicht von ihm stammt, ist manchmal bekannt, dass er nur modifiziert für seine Erziehungs- und Unterrichtstheorie verwendet werden darf, ist gelegentlich angemerkt worden. Wenn der Ausdruck aber nicht auf Dewey und den amerikanischen Pragmatismus zurückgeht, woher kommt er dann?

Der einzig bekannte Aufsatz zum Thema, John Richs »Learning by Doing: A Reappraisal« von 1962, hilft zur Beantwortung dieser Frage nicht weiter. Rich stellt Kriterien des wertvollen »Tuns« vor, bietet aber außer einer vagen Anspielung auf den pädagogischen Realismus und Naturalismus keinen konkreten Hinweis auf die Herkunft der Maxime. Jürgen Oelkers hat dagegen jüngst darauf aufmerksam gemacht, dass das »Lernen durch Tun«, d.h. das Lernen durch Beobachten, Experimentieren, Forschen, »wohl zum ersten Male in konziser didaktischer Form« 1801 von zwei englischen Verehrern Rousseaus, Maria und Richard Edgeworth, in dem Buch »Practical Education« beschrieben worden ist. Der älteste Beleg, den Oelkers für den Ausdruck beibringt, stammt indes von einer Anhängerin Fröbels, der deutschen Baronin Bertha von Marenholtz-Bülow, die ihn tatsächlich 1893 in einer Rede während ihrer Amerika-Reise gebrauchte: »The children will be much happier and gayer if they are busy in joyous play or learning through doing – mind and body being exercised at the same time.«     --- Rich, John M.: Learning by Doing. A Reappraisal. In: High School Journal 45 (May 1962), S. 338-341. Oelkers, Jürgen: Das Bild des »aktiven Kindes« im 19. Jahrhundert. Vortrag in der Reihe »Heinrich Hoffmann und der Struwelpeter« am 6. Mai 2009 in der Johann Wolfgang Goethe Universität, Frankfurt am Main. Edgeworth, Maria/ Edgeworth, Richard: Practical Education. Vol. 1. New York: Self, Brown & Stansbury 1801. Marenholtz-Bülow, Bertha v.: Greeting to America. Reminiscences and Impressions of My Travels. Kindergarten Suggestions. New York: Harison 1900. S. 93.

Nachforschungen zeigen, dass die Devise »learning by doing« weit früher formuliert und erfunden wurde als bisher angenommen. Der Ausdruck geht weder auf Dewey oder Marenholtz-Bülow noch – wie andere im Internet und anderswo spekulieren – auf Fröbel, Diesterweg oder Baden-Powell noch – wie ich selbst in »Dewey, Kilpatrick und ›progressive‹ Erziehung« behauptet habe – auf Comenius zurück; er nimmt vielmehr seinen Ausgang von einer Überlegung, die Aristoteles gute 300 Jahre vor Christus über die Erziehung und speziell über die Ausbildung von Tugenden und Fertigkeiten angestellt hat.

Im ersten Kapitel des zweiten Buchs seiner »Nikomachischen Ethik« führt Aristoteles unter anderem aus, dass tugendhaftes Verhalten und fachliches Können weniger durch einfache Belehrung als durch praktisches Nachmachen, Üben, Anwenden erlernt wird. Die Tugenden, sagt er gemäß der deutschen Übersetzung von Eugen Rohfes, »erwerben wir, indem wir sie zuvor ausüben, wie dies auch für die sonstigen Fertigkeiten gilt. Denn was wir tun müssen, nachdem wir es gelernt haben, das lernen wir, indem wir es tun: So wird man durch Bauen ein Baumeister und durch Zitherspielen ein Zitherspieler. Ebenso werden wir aber auch durch gerechtes Handeln gerecht, durch Beobachtung der Mäßigkeit mäßig, durch Werke des Starkmuts starkmütig.« »Durch Zitherspielen«, fügt er erklärend hinzu, »wird man z.B. ein guter und auch ein schlechter Zitherspieler, und entsprechendes gilt vom Baumeister und jedem anderen Handwerker oder Künstler. Wer nämlich gut baut, wird dadurch ein guter Baumeister, und wer schlecht baut, ein schlechter. Wäre es nicht so, so bedürfte es keines Lehrers, sondern jeder käme als Meister oder als Stümper auf die Welt. Gerade so ist es nun auch mit den Tugenden.«                                                --- Aristoteles: Die Nikomachische Ethik. Auf der Grundlage der Übersetzung von Eugen Rohfes herausgegeben von Günther Bien. 4. Auflage. Hamburg: Meiner 1985. S. 27f.

Die englische Fassung des zentralen, hier interessierenden Satzes lautet nach der Übersetzung eines unbekannten Autors aus dem Jahre 1826: »For those things which we must do after learning, we learn to do by frequently doing; as by building houses, we become house-builders, and by playing on the harp, harp-players; thus by doing just things we become just, by temperate things temperate, and by valiant things valiant.« Aristoteles sagt hier nicht einfach: wir lernen etwas durch Tun, also durch Versuch und Irrtum, durch bloßes Hantieren, Experimentieren und Manipulieren, sondern er sagt, wir müssen zunächst die notwendigen Kenntnisse und Techniken erwerben und einüben, dann können wir sie kompetent, kreativ und kritisch in konkreten Vorhaben erweitern und ausbauen, damit wir zu Meistern unseres Fachs werden. Lernen durch Tun heißt dann: aufbauend auf Orientierungs- und Basiswissen, sind wir in der Lage, durch reflektiertes Handeln unser Reservoir an Fertigkeiten und Fähigkeiten beständig zu verbreitern und zu vergrößern. Festzuhalten ist, dass Aristoteles hier in der Tat die Position eines Lernens durch Handeln vertritt. Auffällig ist jedoch, dass seine Bemerkung oft verkürzt als ein Lernen ohne Belehrung verstanden und in der Schulpädagogik als Begründung für die Devise »learning by doing« selten herangezogen wird. Vor allem englischsprachige Theologen und Philosophen berufen sich auf Aristoteles' Satz, seit neuestem gelegentlich auch deutschsprachige Erlebnispädagogen und Managementtheoretiker, um ihr jeweiliges Konzept des »learning by doing« aufzuwerten und zu legitimieren.         --- A New Translation of the Nicomachean Ethics of Aristotle. Oxford: Vincent 1826. Choice Notes on the Gospel of S- John Drawn from Old and New Sources. London: Macmillan 1869. S. 133f. New Outlook 47 (1893), S. 773. Dayfoot, P. K.: Shall Our Pastors Read the Scriptures in the Original Languages? In: McMaster University Monthly 3 (March 1894), S. 254-255, hier S. 255.

Populär wird die Maxime des „Lernens durch Tun“ also nicht durch Rezeption der Aristotelischen »Ethik«, sondern durch die Rezeption einer anderen Schrift, nämlich der englischen Übersetzung der »Großen Didaktik« von Johann Amos Comenius. In der lateinischen Ausgabe von Comenius’ »Didactica Magna« (1657) heißt es anschließend an die Überlegungen zur »Methode für die Wissenschaften« im Kapitel 21 über die »Methode für die Künste«, Abschnitt 5: »Agenda agendo discantur. Mechanici artium suarum tirones non speculationibus detinent, sed mox operibus admovent, ut discant fabricare fabricando, sculpere sculpendo, pingere pingendo, saltare saltando &c. Ergo etiam in scholis discant, scribere scribendo, loqui loquendo, canere canendo, ratiocinari ratiocinando &c.«                                                                         --- Johann Amos Comenius: Didactica Magna. In: Ausgewählte Werke. Hrsg. Klaus Schaller. Bd. 1. Hildesheim: Olms 1973. S. 82.

Andreas Flitner übersetzt diesen Abschnitt als: „Tätigkeit soll durch Tätigkeit erlernt werden. Die Handwerker halten ihre Lehrlinge nicht mit Betrachtungen hin, sondern führen sie sogleich zur Arbeit, daß sie schmieden durchs Schmieden, bildhauen durch Bildhauen, malen durch Malen, tanzen durch Tanzen lernen. Deshalb soll auch in den Schulen schreiben durch schreiben, sprechen durch sprechen, singen durch singen, rechnen durch rechnen gelernt werden.“             --- Johannes Amos Comenius: Große Didaktik. Hrsg. Andreas Flitner. Stuttgart: Klett-Cotta 1982. S. 142.

Hier wird der Bezug zu Aristoteles im Ansatz deutlich. Die Argumentation der »Nikomachischen Ethik“ ähnelt dem Satz aus der »Magna Didactica«. Comenius kannte natürlich seinen Aristoteles und integrierte dessen Alltagsbeobachtung in sein pansophisches Konzept. Klaus Schaller merkt dazu an: »Die Wendung ›ut discant fabricare fabricando‹ geht zurück auf ›fabricando fabricamur‹, wie es gleich nach dem obigen Zitat bei Comenius heißt. Dieser Satz reicht nun allerdings über das Lernen irgendwelcher Künste hinaus. Die Schulen sind bei Comenius (Kap. 10, 3) ›officinae humanitatis‹, Werkstätten der Menschlichkeit. ›Fabricando fabricamur‹ würde dann besagen: ›Menschen werden wir, sofern wir in unserer Welt menschlich handeln.‹ Es geht hier um ein Bildungsproblem, nicht um Probleme eines quantitativ-effizienten Unterrichts. Die ›Didactica Magna‹ darf nicht als bloße Didaktik und Methodik gelesen werden, sondern als ein pansophisches Werk.«                                                                               --- Schaller, Klaus: Brief an den Verfasser, 22. Februar 2010. Schaller, Klaus: Johann Amos Comenius. Ein pädagogisches Portrait. Weinheim: Beltz 2004.

In Amerika war Comenius kein Unbekannter. 1641 soll er sogar gefragt worden sein, Präsident der Harvard University zu werden. Die erste mir bekannte ausführliche Darstellung von Comenius’ Pädagogik in den Vereinigten Staaten erschien allerdings erst 1858, d.h. ziemlich genau 200 Jahre nach der Erstausgabe der »Großen Didaktik«, in Henry Barnards American Journal of Education. Als Vorlage diente das Comenius-Kapitel aus Karl von Raumers dreibändiger »Geschichte der Pädagogik« von 1843. In dem Kapitel finden sich keine direkten Zitate, aber lange, fast wörtliche Paraphrasen. Der hier in Frage stehende Text wird an zwei Stellen wiedergegeben. Wahrscheinlich von Barnard selbst ins Amerikanische übersetzt, lauten sie (1.) ähnlich wie bei Flitner: »Each study should be learned by practice; writing by writing, singing by singing, etc. The master must first perform the thing before the scholar, to be imitated by him, without tiresome explanation«; und (2.) etwas freier und anschaulicher: »Rules should not be given before examples. Artisans understand this well. None of them would give their apprentice a lecture upon his trade, but would show him how he, the master, went about it, and then would put the tools into his hands, and show him how to do the like, and to imitate himself. Doing can only learned by doing, writing by writing, painting by painting.«                                                   --- John Amos Comenius. In: American Journal of Education 5 (1858), S. 257-298, hier S. 266 und 290.

Zieht man das Original von Raumer heran, bestätigt sich die naheliegende Vermutung. Dort heißt es nämlich: »Thun kann nur durch Thun gelernt werden, Schreiben durch Schreiben, Malen durch Malen.« Anders als die Überlieferung es will, ist also die deutsche Formulierung »Lernen durch Tun« um mindestens 15 Jahre älter und damit »ursprünglicher« als die heute gebräuchliche englische Fassung »learning by doing«.                                                                       --- Raumer, Karl v.: Comenius. In: Geschichte der Pädagogik vom Wiederaufblühen klassischer Studien bis auf unsere Zeit. 2. Teil, dritte Auflage. Stuttgart: Liesching 1857. S. 48-100, hier S. 61 und 91.

Gut zwanzig Jahre nach Barnards Edition wird der Absatz in der bahnbrechenden englischen Einführung zu Comenius’ Leben und Werk von dem Engländer Simon S. Laurie übersetzt mit: »Let things that have to be done be learned by doing them. Mechanics and artists do not teach their apprentices by disquisitions, but by giving them something to do. They are thaught to make anything by making it, to paint by painting, to dance by dancing, etc. So we should teach to write by writing, to read by reading, to sing by singing, to reason by reasoning, etc.« Den Übersetzungsfehler (reason by reasoning statt count by counting) korrigierend, schreibt der Deutsch-Amerikaner Ossian Lang 1891 in seinem gleichfalls erfolgreichen Comenius-Buch: »Whatever is to be done, must be learned by doing it. […] So the pupils should also learn at school to write by writing, to speak by speaking, to count by counting etc.«                                                           --- Laurie, Simon S.: John Amos Comenius: Bishop of the Moravians. His Life and Educational Works. London: Kegan Paul 1881. S. 116. Lang, Ossian H.: Comenius. His Life and Principles of Education. New York: Kellog 1891. S. 14.

Es könnte sein, dass das Wissen um den Ursprung im Laufe der Zeit verloren ging, weil der betreffende Satz in der ersten vollständigen englischen Ausgabe der »Großen Didaktik« von Maurice W. Keatinge – wie bei Flitner und Raumer Nr. 1 – weniger ausdrucksvoll übertragen wurde: »What has to be done must be learned by practice.« Ein Beleg für diese Vermutung bietet William H. Kilpatricks »Source Book in the Philosophy of Education« von 1923. In einem Auszug zitiert er dort den Satz unter der Überschrift »Learning by doing« aus der bis heute einzigen englischsprachigen Übersetzung von Keatinge.                                               --- The Great Didactic of John Amos Comenius. Now for the first time Englished, with Introductions, Biographical and Historical. Ed. Maurice W. Keatinge. London: Black 1896. S. 194f. Kilpatrick, William H.: Source Book in the Philosophy of Education. New York: Macmillan 1923. S. 309.

So eindeutig der Ursprung auch ist, es gibt tatsächlich noch eine dritte – jüngere und bereits angesprochene - Quelle, die neben Aristoteles und Comenius entscheidend zur Verbreitung der Maxime »learning by doing« beigetragen hat, nämlich Friedrich Fröbel. In seinem Buch »Menschenerziehung« schrieb Fröbel 1826 in § 94 zum Thema »Übung zu und für äußerliche, körperlich räumliche Darstellungen nach Regeln und Gesetz, vom Einfachen zum Zusammengesetzten fortschreitend« etwas verklausuliert und unklar: »[…] wie schon das Aufnehmen und das Auffassen der Sache im Leben und Handeln selbst bei weitem mehr entfaltend, ausbildend und stärkend ist als das bloße Aufnehmen und Empfangen im Worte und Begriffe, so ist auch das Gestalten an und durch Stoff im Leben, im Handeln und Tun, geknüpft an Denken, Gedanken und Wort, für die Entwickelung und Ausbildung des Menschen bei weitem höher als die Darstellung (obgleich Darstellung) durch Begriffe und durch Wort ohne Gestaltung […].«                                                                       --- Fröbel, Friedrich: Die Menschenerziehung [1826]. In: Friedrich Fröbel. Ausgewählte Schriften. Hrsg. Erika Hoffmann. Bd. 2. Stuttgart: Klett-Cotta 1982. S. 192.

Die für uns ausschlaggebende erste Hälfte des Satzes übersetzte der aus der Schweiz stammende Kindergartenpädagoge William N. Hailmann 1887 auf eine Weise, die uns weit verständlicher erscheint als das Original: »Again, to learn a thing in life and through doing is much more developing, cultivating, and strengthening than to learn it merely through the verbal communication of ideas.«                                                                                                                          --- Froebel, Friedrich: The Education of Man. Translated from the German and Annotated by W. N. Hailmann. New York: Appleton 1887. S. 279.

Dieser Satz, der bis heute – auch im Internet – als Beleg für Fröbels »Vaterschaft« angeführt wird, war wohl Anlass genug, dass seine deutschen und amerikanischen Anhängerinnen, etwa Bertha von Marenholtz-Bülow, Adele De Portugall und Louise Pollock, schon Anfang der achtziger Jahren von einer »education by doing« zu sprechen begannen und im Namen des Kindergarten-begründers apodiktisch verkündeten »children learn by doing«. So nachzulesen in dem Sammelband »Papers on Froebel’s Kindergarten«, der – wiederum von dem Schulreformer und ersten US-Commissioner of Education Henry Barnard herausgegeben – im selben Jahr wie Lauries Comenius-Biographie (1881) im Verlag des American Journal of Education erschien. Übrigens kommt das Stichwort »learning by doing« auch schon im Index des Sammelbandes vor.         --- Hughes, James L.: Froebel’s Educational Laws for All Teachers. New York: Appleton 1897. S. 98. Meyer, Adolph E.: The Development of Education in the Twentieth Century. Englewood Cliffs: Prentice-Hall 1949. S. 27. Marenholtz-Bülow, Bertha v.: Froebel’s Educational Views. In: Barnard, Henry (ed.): Papers on Froebel’s Kindergarten with Suggestions on Principles and Methods of Child Culture in Different Countries. Hartford: American Journal of Education 1881. S. 161-280, hier S. 199. De Portugall, Adele: Criticism of Froebel‘s System and Its Extension. Ebd., S. 473-480, hier S. 479. Pollock, Louise: Kindergarten Methods in Public Primary Schools. Ebd., S. 643-650, hier S. 646 und 650. Cope, Henry F.: The Modern Sunday School in Principle and Practice. New York: Revell 1907. S. 113. Williams, A. M.: Education. Survey of Tendencies. Glasgow: Maclehose 1912. S. 128.

Doch es war erst »Colonel«Francis W. Parker, der Bürgerkriegsveteran und an der Friedrich Wilhelm Universität in Berlin ausgebildete Schulsuperintendent aus Quincy, Massachusetts, der – wohl von Lauries Einführung inspiriert – Comenius’ Devise »Let things that have to be done be learned by doing them« in der personalisierten Form von »we learn to do by doing« zum schlagkräftigen Slogan der »new education« machte,»What I wish to impress upon you«, schrieb Parker 1883 in dem ersten großen, aber praktisch vergessenen Werk und Bestseller der amerikanischen Reformpädagogik »Notes of Talks on Teaching«, »is the one pedagogical principle that stands above all others – we learn to do by doing. [...] for the pleasure of doing and its resultant successes best fits a man to control himself, and master all the difficulties and obstacles that lie before him.« Sein Biograph Edward Dangler nannte Parker daher, nicht ganz zu unrecht, den »amerikanischen Comenius«.                                                                 --- Parker, Francis W.: Notes of Talks on Teaching. New York: Kellog 1883. S. 22, 38, 117, siehe auch S. 163, 169, 181. Dangler, Edward: From Quincy to Chicago. The American Comenius. In: Harvard Educational Review 13 (January 1943), S. 19-24. Fraley, Angela E.: Schooling and Innovation. The Rhetoric and the Reality. New York: Tyler, Gibson 1981. S. 29ff. Oelkers, Jürgen: Eros und Herrschaft. Die dunklen Seiten der Reformpädagogik. Weinheim: Beltz 2011. S. 310.

Ein Jahr zuvor hatte Byron A. Brooks, Autor von utopischen Romanen und bedeutender Schreibmaschinenerfinder, mit deutlichem Bezug auf Francis W. Parker (und Dewey lange vorwegnehmend) die 'ideale Schule' unter anderem so charakterisiert: »We learn to do a thing, by doing it, [...] I learned how to fall into the pond, the other day, by falling in; but I learned at the same time how to swim. That is the way, he [the director of the school] says, to learn every thing; by being pushed in, as the little birds are pushed out of their nests to learn to fly. You can't learn to swim without going into the water.«                               --- Brooks, Byron A.: Those Children and Their Teacher. New York: Putnam 1882. S. 243.

In ihren »Pen Photographs from the Quincy Schools« bezeichnete Parkers enge Mitarbeiterin Lelia E. Patridge den Slogan »we learn to do by doing« als »the teachers golden rule«, eine Bezeichnung, die nahelag, da Comenius von der »goldenen Regel für alle Lehrenden« gesprochen hatte, als er im vorhergehenden Kapitel 20 über die »Methode für die Wissenschaften« – Montessoris Motto »mit allen Sinnen lernen« vorwegnehmend – bestimmte: »Alles soll wo immer möglich den Sinnen vorgeführt werden, was sichtbar dem Gesicht, was hörbar dem Gehör, was riechbar dem Geruch, was schmeckbar dem Geschmack, was fühlbar dem Tastsinn.« Es sei indes angemerkt, dass Patridge an dieser Stelle Comenius umdeutete, indem sie – wie Parker – den Schwerpunkt vom »Lernen durch Anschauung« auf das »Lernen durch Handeln« verschob.               --- Patridge, Lelia E.: The »Quincy Methods« Illustrated. Pen Photographs from the Quincy Schools. New York: Kellog 1885. S. 7. Comenius, Johann Amos: Große Didaktik. Hrsg. Andreas Flitner. Stuttgart: Klett-Cotta 1982. S. 135.

Die Grundschullehrerin Anna Johnson sprang auf den fahrenden Zug auf und wählte 1884 für ihr neues Buch den Titel Education by Doing. Ein Jahr später erschien bei Lockwood Learning by Doing, Elementary Language Book in Graded Lessons, 1899 gab Carl C. Marshall das, kurzlebige, Journal Learning by Doing mit zahlreichen Unterrichtsbeispielen heraus, und 1914 veröffentlichte Edgar J. Swift 1914 ein umfassendes theoretisch-praktisches Werk.                                      --- Johnson, Anna: Education by »Doing«. Or Occupations and Busy Work, For Primary Classes. New York: Kellog 1884. Learning by Doing, Elementary Language Book in Graded Lessons. Lockwood 1885. Learning by Doing, ed. Carl C. Marshall. Battle Creek, Michigan, 1899-1900. Swift, Edgar J.: Learning by Doing. Indianapolis: Bobbs-Merrill 1914.

Bereits zwei Jahre nach Parkers Initiative, 1885, wurde der Slogan auf zwei Kongressen thematisiert: auf den Tagungen der National Education Association und des American Institute of Instruction. Dort meldeten sich auch die ersten, gewichtigen, Kritiker zu Wort. Amory D. Mayo, der pädagogisch engagierte Pfarrer aus Massachusetts, und William H. Payne, der renommierte Pädagogikprofessor von der University of Michigan, beschworen die Gefahr, dass das »learning by doing«, wenn falsch und unprofessionell praktiziert, leicht zur »quackery« und zum »St. Vitus dance of our New Education« verkommen könne.                                                                                                     --- Mayo, A. D.: How to Learn. In: Proceedings of the National Education Association (1885), S. 100-108, hier S. 105. Payne, William H.: The New Education. In: Lectures of the American Institute of Instruction (1885), S. 31-68, hier S. 58, wieder abgedruckt in: ders.: Contributions to the Science of Education. New York: Harper 1887. S. 130.

Auch der Philosoph Thomas Davidson betonte den Wert des »learning by doing«, zugleich machte er klar, dass diese Maxime nichts mit der durch die Child-Study-Bewegung favorisierte »kindzentrierten Erziehung« zu tun habe. In seinem Buch über Aristoteles schrieb er: »The value of exercise, practice, habituation, seems to have been far better understood by the ancients than by the moderns. Whatever a man has to do, be it speaking, swimming, playing, or fighting, he can learn only by doing it; this was a universally accepted maxim. The modern habit of trying to teach languages and virtues by rules, not preceded by extensive practice, would have seemed to the ancients as absurd as the notion that a man could learn to swim before going into the water. Practice first ; theory afterwards: do the deed, and ye shall know of the doctrine — so said ancient Wisdom, to which the notion that children should not be called upon to perform any act, or submit to any restriction, without having the grounds thereof explained to them, would have seemed the complete inversion of all scientific method. It was by insisting upon a certain practice in children, on the ground of simple authority, that the ancients sought to inculcate the virtues of reverence for experience and worth, and respect for law.«                                                                                      --- Davidson, T.: Aristoteles and Ancient Educational Ideals. New York: Scribners 1899. S. 10.

Natürlich fand Comenius' Devise auch Eingang in der Manual Training Bewegung, die das Fach technisches Werken an der amerikanischen High School etabliert hatte.                                                                                                    --- Ham, Charles H.: Manual Training. The Solution of Social and Industrial Problems. New York: Harper 1886. S. 13. Magnus, Philip: Manual Training in School Education. In: Woodward, Calvin M.: The Manual Training School. Boston: Heath 1887. S. 358-360, hier S. 359.

William N. Hailmann, der bereits erwähnte Fröbel-Übersetzer und führende Vertreter der Kindergartenbewegung in den Vereinigten Staaten, wies 1887 - wie Klaus Schaller - in einem bemerkenswerten Aufsatz über moderne Erziehungs- und Unterrichtsmethoden jedoch darauf hin, dass Comenius mit seiner Äußerung keine Verbindung zum handwerklichen Tun (manual training) herstellen wollte: »Nothing in his ›Didactica‹ warrants the conclusion that this [learning by doing] was to be done any other way than by words and pictures.« Und mit Rückgriff auf Fröbel wandte sich Hailmann auch vehement gegen die gedankliche Verkürzung der Comenius-Devise: the child »does not ›learn by doing,‹ but learns in order to do, ›learns to do by doing‹                                          --- Hailmann, William N.: The Natural or Developing Element in Modern Methods of Elementary Culture. In: Proceedings of the National Education Association (1887), S. 80-86, hier S. 82 und 86.

Im gleichen Jahr nahm Hailmann dann noch einmal und weit ausführlicher Stellung zum Thema. In § 49 seiner »Menschenerziehung« hatte Fröbel geschrieben: »Nicht durch Gehen und Stehen allein lernt man gehen und stehen; nicht durch Gehen und Stehen, Sitzen und Kriechen hütet man sich vor Fallen, auch durch Um- und Überschauen.« In der bis heute gebräuchlichen Ausgabe übertrug Hailmann diese Passage als »Not by walking and standing alone, do we learn to walk and stand. Not by walking and standing, sitting and crawling, do we learn to keep from falling; the survey of our surroundings, too, is needed.« --- Fröbel, Friedrich: Die Menschenerziehung. In: Friedrich Fröbel. Ausgewählte Schriften. Hrsg. Erika Hoffmann. Bd. 2. Stuttgart: Klett-Cotta 1982. S. 63. Froebel, Friedrich: The Education of Man. Translated from the German and Annotated by W. N. Hailmann. New York: Appleton 1887. S. 103.

Im Anschluss an diesen Satz fügte Hailmann eine aufschlussreiche Fußnote ein, die sich kritisch mit zeitgenössischen Interpretationen auseinandersetzte, wie sie etwa von Francis W. Parker und Lelia E. Patridge vorgetragen wurden: »More clearly than in any other passage, Froebel here indicates his position with reference to the much-abused maxim, ›Learn to do by doing,‹ which has sometimes been attributed to him by well-meaning but ill-informed persons. Froebel, it is true, would have skill in action imparted by practice; but he never makes skill as such an object of educational activity, deeming it of value only when it serves insight, which can come only from seeing. He would, indeed, have doing, but always as the expression of thought and feeling, which, again, are based on previous seeing. In this respect Froebel is a more faithful follower of Comenius than those over-zealous persons who seem to have caught nothing from the great Moravian teacher than this maxim, ›Learn to do by doing.‹ Comenius himself applies the saying only to the arts of the school – such as writing, speaking (or reading), singing, ciphering – and treats of it in a chapter subordinate to the ›Method of the Sciences‹ which, as he says, need ›the eye, the object, and light.‹ This is not vitiated by the fact that ›every science is evolved out of its corresponding art.‹ An art is a complex empirical organism, involving the co-operation of more or less extended systems of variously inter-related seeing and doing. The corresponding science grows in the measure in which we learn to see it as a living, rationally constituted whole.«                      --- Froebel, Friedrich: The Education of Man. Translated from the German and Annotated by W. N. Hailmann. New York: Appleton 1887. S. 103f.

James L. Hughes, der Schulinspektor von Toronto und Autor von »Froebel’s Educational Laws For All Teachers«, war, über Hailmann hinausgehend, der Überzeugung, dass Fröbel das Comenius-Motto »Children learn to do by doing« substantiell erweitert und verbessert hatte. »To Froebel«, schrieb Hughes 1897, ähnlich wie es später Dewey für sich reklamierte, »growth was always greater than learning. He did not undervalue learning, but he valued it as an aid to growth, so as he interpreted the motto of Comenius it gained increased significance and became, Children grow by doing                                    --- Hughes, James L.: Froebel’s Educational Laws for All Teachers. New York: Appleton 1897. S. 68.

Für zwei Jahrzehnte existierten beide Formulierungen: Raumers (bzw. Lauries) »learning by doing« und Parkers »we learn to do by doing« – nebeneinander, doch dann hatte sich Raumers Kurzform endgültig durchgesetzt. Die Überschriften »›Learning by Doing‹ at Hampton« und »›Learning by Doing‹ for the Farmer Boy« in der populären Zeitschrift American Monthly Review of Reviews bezeugen überdies, dass der Slogan um 1900 auch die nicht-pädagogische Öffentlichkeit erreicht hatte. John Whitburn, Mitglied des Schulausschusses von Newcastle-on-Tyne, stellte nach einer zweimonatigen Studienfahrt durch die Vereinigten Staaten in seinem Bericht für die englische Mosely Educational Commission to the United States of America 1904 denn auch lapidar fest: »The Kindergarten motto of ›learning by doing‹ has now become the chief characteristic in the educational system of America.«                                                         --- Schaeffer, Nathan C.: The Meaning and Limitations of the Maxim »We Learn to Do by Doing« in Elementary Education. In: Proceedings of the National Education Association (1887), S. 374-382. Scott, Charles B.: Laboratory Methods in Elementary Schools. In: Proceedings of the National Education Association (1894), S. 191-197. Davis, Emma C.: The Ideal Primary School Curriculum. In: Proceedings of the National Education Association (1894), S. 726-737. A Course of Study and Teachers Manual for Use of the Common Schools of New York. Albany: State Department of Public Instruction 1895. S. 6. Shaw, Albert: »Learning by Doing« at Hampton. In: American Monthly Review of Reviews 21 (1900), S. 417-432. Kern, O. J.: »Learning by Doing« for the Farmer Boy. In: American Monthly Review of Reviews 28 (1903), S. 456-461. Whitburn, John: Report. In: Mosely Educational Commission to the United States of America, October-December 1903. London: Co-operative Printing Society 1904. S. 376-393, hier S. 377.

Besonders hervorgehoben werden müssen die Ausführungen von James A. McLellan. Der Erziehungswissenschaftler aus Toronto machte 1889 den konstruktiven Vorschlag, dass das Prinzip »learn to do by doing«, um nicht falsch interpretiert zu werden, mit einem anderen Prinzip, nämlich dem Prinzip „learn to do by knowing“ zu kombinieren sei. »The principle [learn to do by doing]«, schrieb McLellan, »is true in so far as it recognizes the fact that self-activity of the pupil must be appealed to in all learning, and that it is through this activity that the subject gains meaning, and is apprehended. The principle becomes false when it loses sight of the ideal factor, the element of knowledge required for doing; and when it implies that the doing be merely habitual or mechanical. It, therefore, requires a supplement: Learn to do by knowing. We might combine the maxims, and say: Learn to know by doing, and to do by knowing
--- McLellan, James A.: Applied Psychology: An Introduction to the Principles and Practice of Education. Toronto: Copp, Clark 1889. S. 182, siehe auch Titelseite, S. 45, 129f.

Wichtig zu wissen ist, dass in späteren, völlig unveränderten Auflagen des Buches von McLellan auf der Titelseite John Dewey als Mitautor genannt wird. Doch Jo Ann Boydston, die Gesamtherausgeberin der Gesammelten Werke Deweys, kommt nach sorgfältiger Recherche zu dem überzeugenden Schluss, dass Dewey an dem Werk nicht beteiligt war und dass der neue Verlag Educational Publishing Company 1895 Deweys Name aufnahm, um nach dem Erscheinen von »Psychology of Number« an Deweys Popularität zu partizipieren. Daher erscheint das Werk auch nicht in den Gesammelten Werken. Einen anderen Eindruck vermittelt Jane Dewey in der autorisierten Biographie ihres Vaters von 1939. Wir können auf jeden Fall davon ausgehen, dass Dewey der Slogan spätestens seit 1895 bekannt war.
--- McLellan, James A./Dewey, John: Applied Psychology: An Introduction to the Principles and Practice of Education. Boston: Educational Publishing Company 1895. Boydston, Jo Ann: A Note on „Applied Psychology“. In: The Early Works of John Dewey, 1882-1898. Vol. 3. Carbondale: Southern Illinois University Press 1969. S. xiii-xix. Dewey, Jane M.: Biography of John Dewey. In: Paul A. Schilpp (ed.): The Philosophy of John Dewey. La Salle: Open Court 1939, S. 3-45, hier S. 27.

Nach der Jahrhundertwende entdeckten auch die Psychologen den Slogan für sich. Edward L. Thorndike hob in seinem weit verbreiteten Lehrbuch »Principles of Teaching« hervor: »We work against nature when we try to keep young children still. To learn by doing something is to learn with the full help of instincts.« G. Stanley Hall gab in seinem bahnbrechenden Werk »Adolescence« allerdings zu bedenken: »This is a false application of the principle of learning to do by doing. The young do not learn to write by writing, but by reading and hearing. To become a good writer one must read, feel, think, experience, until he has something to say that others want to hear.« Auch Jane Addams, die Leiterin des Hull House in Chicago, Freundin von John Dewey und spätere Trägerin des Friedensnobelpreises, äußerte ihre Vorbehalte: »We constantly hear it said in educational circles that a child learns only by ›doing,‹ and that education must proceed ›through the eyes and hands to the brain;‹ and yet for the vast number of people all around us who do not need to have activities artificially provided, and who use their hands and eyes all the time, we do not seem able to reverse the process.«                                                                                          --- Thorndike, Edward L.: Principles of Teaching Based on Psychology. New York: Seiler 1906. S. 26. Hall, G. Stanley: Adolescence, Its Psychology and its Relations to Physiology, Anthropology, Sociology, Sex, Crime, Religion and Education. Vol. 2. New York: Appleton 1904. S. 462. Addams, Jane: Democracy and Social Ethics. New York: Macmillan 1902. S. 208.

John Dewey, der »Kerschensteiner Amerikas«, wie Walther Lietzmann ihn nennt, benutzte den Slogan erst relativ spät, beginnend 1911 mit zwei Beiträgen zu Paul Monroes »Cyclopedia of Education«. In seiner und von seiner Tochter mitgeschriebenen Darstellung von zeitgenössischen progressiven Schulen, betitelt »Schools of Tomorrow« (1915), kam der Ausdruck neun Mal, in seiner eigenen Erziehungsphilosophie »Democracy and Education« (1916) nur ein Mal vor. Dort lautet der entsprechende Satz: »Recognition of the natural course of development […] always sets out with situations which involve learning by doing« (von Erich Hylla übersetzt als »Sachlagen, in denen durch Tun gelernt wird«).                                                                                                   --- Dewey, John: Education [1911]. In: The Middle Works of John Dewey, 1899-1924. Vol. 6. Carbondale: Southern Illinois University Press 1978. S. 426. Dewey, John: Experience and the Empirical [1911]. In: The Middle Works of John Dewey, 1899-1924. Vol. 6. Carbondale: Southern Illinois University Press 1978. S. 450. Dewey, John: Lectures to the Federation for Child Study [1914]. In: The Middle Works of John Dewey, 1899-1924. Vol. 7. Carbondale: Southern Illinois University Press 1979. S. 379. Dewey, John: Schools of Tomorrow [1915]. In: The Middle Works of John Dewey, 1899-1924. Vol. 8. Carbondale: Southern Illinois University Press 1979. S. 253, 255f., 261, 286, 390f. Dewey, John: Democracy and Education [1916]. In: The Middle Works of John Dewey, 1899-1924. Vol. 9. Carbondale: Southern Illinois University Press 1980. S. 192. Dewey, John: Demokratie und Erziehung. Eine Einleitung in die philosophische Pädagogik.. Übersetzt von Erich Hylla. Hrsg Jürgen Oelkers. Weinheim: Beltz 1993. S. 246. Dewey, John: The Theory of the Chicago Experiment [1936]. In: The Later Works of John Dewey, 1925-1953. Vol. 11. Carbondale: Southern Illinois University Press 1987. S. 215.

An seinem 90. Geburtstag, 1949, von einem Journalisten auf »sein« Motto angesprochen, erklärte Dewey: »I don’t believe people learn merely by doing. The important things are the ideas that a man puts into his doing. Unintelligent doing will result in his learning the wrong thing.« Joseph Schwab, ein Curriculumexperte fügte zehn Jahre später erläuternd hinzu, bei Dewey bedeute: »to learn by doing was neither to learn only by doing nor to learn how to do. Doing was to go hand in hand with reading, reflecting and remembering.« Deweys Distanz zu der ihm zugeschriebenen Maxime kam auch in dem von ihm autorisierten Buch über die Laboratory School in Chicago zum Ausdruck. In variierter Form erschien die Maxime in Mayhew und Edwards Buch nur zwei Mal und auch nur indirekt auf die eigene Arbeit bezogen.                      --- Dewey, John: The Correspondence of John Dewey, 1871-1952. Vol. 1-3. Carbondale: The Center for Dewey Studies 2005. Mayhew, Katherine C./Edwards, Anna C.: The Dewey School. The Laboratory School of the University of Chicago 1896-1903. New York: Appleton 1936. S. 313, 408. Schwab, Joseph: The Impossible role of the teacher in progressive education. In: School Review 67 (1959), S. 139-159, hier S. 158.

William A. Maddox, ein Schüler von Kilpatrick, interpretierte Comenius’ Maxime – in Anspielung auf Deweys berühmte, auch Kerschensteiner bekannte, bereits in "Ethical Principles in Education" benutzte, aber nicht von ihm stammende Bemerkung, dass man Schwimmen nicht auf dem Trockenen lerne – folgendermaßen: »As Professor Dewey insists, we learn to swim by swimming in water, not on a bench in practice; to talk by talking to people about things that interest us and them; we think by solving our own problems, not by exercises in logic; we acquire skill as we work, not by preliminary formal exercise.«                                                                                               --- Maddox, William A.: Development of Method. In: Kandel, I. L. (Ed.): Twenty-Five Years of American Education. Collected Essays. New York: Macmillan 1924. S. 149. Dewey, John: Ethical Principles in Education [1897]. In: The Early Works of John Dewey, 1882-1898. Vol. 5. Carbondale: Southern Illinois University Press 1972. S. 61. Dewey, John: Moral Principles in Education [1909]. In: John Dewey: The Middle Works, 1899-1924. Carbondale: Southern Illinois University Press 1977. S. 272. Kerschensteiner, Georg: Der Begriff der staatsbürgerlichen Erziehung [1912]. 8. Aufl. München: Oldenbourg 1958. S. 49f.

Hermann H. Horne, der vorzügliche, aber fast vergessene Interpret von »Democracy and Education«, übte indes grundsätzliche Kritik an der Maxime, wie sie bei der – seines Erachtens auf Dewey zurückgehenden – »Projektmethode« zum Tragen kam: »That we learn much by doing is indisputable; that we learn much more without doing, without manipulating materials, is also probably true; that the project method is only one of many worth while methods would seem to be obvious.«                                                                         --- Horne, Hermann H.: The Democratic Philosophy of Education: Companion to Dewey’s Democracy and Education. New York: Macmillan 1932. S. 261.

Im deutschen Sprachraum wurde die Formel »learning by doing« zum ersten Mal nicht 1931 von dem Schweizer Journalisten Hermann Böschenstein gebraucht, wie Stefan Bittner annimmt, sondern wahrscheinlich von dem, wie Theodor Wilhelm ihn nennt, »Dewey Europas«, nämlich Georg Kerschensteiner. »Wenn es der Volksschule gelingt«, schrieb Kerschensteiner 1904 in einem seiner großen Aufsätze zur Arbeitspädagogik, »auf diese Weise zu erziehen, dass sie ›Try for yourself and learn by doing‹, wie ein Armstrong im Kampf um die Selbsttätigkeit in den englischen Schulen gegen Ende des vorigen Jahrhunderts gefordert hat, dann hat die Schule eine wertvolle Aufgabe geleistet.« Kurz danach verwendete auch Friedrich W. Foerster das Comenius-Zitat. Die Ironie ist nicht zu übersehen: Die volkstümliche Übersetzung »Lernen durch Tun« von Comenius‘ »Agenda agendo discantur« stammte nicht nur aus Deutschland, auch ihre englische Fassung »learning by doing« wurde hier schon lange vor Dewey, dem vermeintlichen Hauptvertreter der Maxime, verwendet und popularisiert.             --- Bittner, Stefan: Learning by Dewey? John Dewey und die deutsche Pädagogik 1900-2000. Bad Heilbrunn: Klinkhardt 2001. S. 92. Böschenstein, Hermann: John Dewey und die amerikanische Erziehung. In: Neue Schweizer Rundschau 24 (1931), S. 5-25, hier S. 19. Kerschensteiner, Georg: Berufs- oder Allgemeinbildung? [1904] In: Georg Kerschensteiner: Berufsbildung und Berufsschule. Ausgewählte pädagogische Schriften. Hrsg. Gerhard Wehle. Bd. 1. Paderborn: Schöningh 1966. S. 100. Der Hinweis, dass mit »ein« Armstrong der Chemiker und Erfinder der »heuristischen Methode« Henry E. Armstrong gemeint ist, findet sich dort auf S. 174. Leider konnte die Stelle, auf die sich Kerschensteiner bezieht, bisher noch nicht ausfindig gemacht werden. Foerster, Friedrich W.: Schule und Charakter. Zürich: Schultheß 1908. S. 161.